Nebeneinander von Tradition und Moderne
Rote Sicherheitsgummistiefel, Helme mit Stirnlampen und Sicherheitswesten sind das Equipment mit dem wir die Baustelle betreten dürfen. Es ist nach 18 Uhr, bereits dunkel und in der Bahnsteighalle des künftigen Bahnhofs herrscht geschäftiges Treiben. „Hier wird rund um die Uhr gearbeitet“, erklärt Sandra Lensing, die uns über die Baustelle führt. Der Besuch auf der Baustelle fühlt sich an wie ein Blick in die Zukunft der Stadt. Spannende Superlative, unglaubliche Architektur und krasse Kontraste.
Feiner Staub liegt in der Luft, es riecht nach feuchtem Beton als wir die Bahnhofshalle betreten. Über abgedeckte Bodenplatten und Planken geht es auf die Gleise. Die weißen Sichtbetonstützen sind das Markenzeichen des neuen Bahnhofs. Sie bilden, miteinander verbunden, das Dach der Bahnsteighalle. Die markanten, kelchförmigen Stützen ragen aus dem Boden und verzweigen sich nach oben, die Lichtaugen versorgen die Bahnsteige mit Tageslicht. Der hellgraue Beton wirkt fast elegant. Architekt Christoph Ingenhoven wollte, dass die Betonstützen nicht grau wie üblich, sondern hell, weiß und lichtreflektierend erstrahlen. Für den aufwendigen Herstellungsprozess gab es keinen Vorläufer. Es musste speziell dafür entwickelt werden.
Es geht weiter ins Innere der Baustelle. Der Bahnsteig misst rund einen halben Kilometer Länge. Die Gleise sind komplett verlegt und mit speziellen Schallschutzplatten ausgerüstet, ebenfalls die Treppen von den Querverbindungen zu den Gleisen und die Verbindungen zu den S-Bahnen. Noch ist alles abgedeckt und verkleidet. Im gesamten neuen Bahnhof wollte der Architekt keine rechtwinkligen Ecken. Deshalb bilden die Decken, Kurven und Verbindungen in geschwungenen Formen, fast organische, experimentelle Gebilde.
Von der neuen Bahnhofshalle geht es hinüber in den denkmalgeschützten Bonatzbau. Die Fassaden blieben erhalten, innen wurde komplett entkernt. Der alte Bahnhof ist kaum wiederzuerkennen und der Kontrast könnte kaum größer sein. Die strengen rechtwinkligen, hohen Räume, Natursteinfassade, roter Backstein, Symmetrie auf dieser Seite. Glas, Beton, Stahl, helle Farben, organische Gebilde auf der anderen Seite. Der Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft ist hier deutlich spürbar. Ein besonderes Nebeneinander von Tradition und Moderne.
Herzlichen Dank, Sandra für die spannende Führung und die interessanten Einblicke in den Fortschritt des Baus und die vielen Anekdoten. Sie haben die Baustellenbesichtigung zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Dass der Bahnhof ein Jahr lang jeden Tag gewaschen werden muss, bevor er in Betrieb geht, hat uns mächtig beeindruckt. Danke, dass du auf fast alle unsere Fragen eine kompetente Antwort hattest. Dass du die „Mutter aller Fragen“, die nach dem Eröffnungsdatum, auch nicht beantworten konntest, lag auf jeden Fall nicht an dir.
Christina Stefanou










